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"Zahnschmerzen, Zahnärzte und HIV"


(Bericht eines Zahnarztes; anonym; 16.April 1999)

Keine Angst, dies ist keine Abhandlung darüber, daß man durch die HIV-Infektion unweigerlich alle Zähne verliert.

Die Tendenz, die Kontrolle der Zähne und besonders des Zahnhalteapparates (Parodont, Zahnfleisch) aufgrund anderer Beschwerden in den Hintergrund zu stellen, ist bei Betroffenen erschreckend hoch - außerdem: wer geht schon gerne zum Zahnarzt? Es geht hierbei vielmehr um das Wechselspiel der Ängste zwischen Zahnarzt und HIV-positivem Patient.

Beim HIV-Infizierten ist nicht die Angst vor dem Zahnarzt schlechthin gemeint, sondern das Wissen nur sehr schwer einen Zahnarzt zu finden, der sich mit HIV so auskennt, daß dieser die Behandlung nicht von vornherein ablehnt.

Der Zahnarzt wiederum zeigt eine aus mangelhaftem Informationsstand resultierende Unsicherheit im Umgang mit HIV-positiven Patienten. Die Kritik geht dahin, daß durch mangelhaftes Engagement zur permanenten Weiterbildung auch HIV-bezogene, zahnmedizinische Erkrankungen nicht richtig gedeutet und therapiert werden, sofern eine Therapie möglich ist. Mit dem reduzierten Wissen, daß allein die normale Zahnsteinentfernung am Zahnfleisch unweigerlich zu vereinzelten schwachen Blutungen führen kann, und dem Nichtwissen um mögliche Infektionsquellen, wie zum Beispiel dem Spritzwasser bei Tätigkeiten mit rotierenden Instrumenten, die durch Tränenflüssigkeit aufgenommen werden können, denken leider die meisten Zahnärzte:

Bevor ich mich irgendwie infiziere, gehe ich das Risiko lieber erst gar nicht ein!

Ein weiterer, gerade heute sehr wesentlicher Punkt bei der Abweisung eines solchen Patienten ist das Wissen um die Reaktion der nicht betroffenen Patienten. Die durch die Medien in Angst und Schrecken versetzte Bevölkerung würde einen weiten Bogen um eine solche "AIDS-Praxis" machen - denn "man bekommt doch schon AIDS, wenn man so Einem die Hand gibt!" Somit stehen auch finanzielle Aspekte der Behandlung von HIV-Patienten entgegen.

Für den Betroffenen sind dies denkbar ungünstige Voraussetzungen - informiert er den Arzt, so läuft er Gefahr, abgewiesen zu werden - verschweigt er die Infektion, so setzt er den Behandler und das mitarbeitende Praxispersonal unter bestimmten Voraussetzungen dem direkten Infektionsrisiko aus. Letzteres ist leider der einfachere Weg, um behandelt zu werden. So beobachtet man demzufolge mit Schrecken, daß einige Berufskollegen diese Unsicherheit bei Patienten ausnützen. Das bedeutet, es werden kostspielige Behandlungen empfohlen, welche kurzfristig einen Erfolg präsentieren. Insbesondere bei der Prognose des Gebisses eines HIV-Positiven profitiert langfristig betrachtet lediglich der behandelnde Zahnarzt. Schließlich muß ja dann bald ein neuer Ersatz her...

Dieser Artikel soll niemandem Angst machen, daß er von seinem Zahnarzt ausgenommen wird, oder daß Zahnärzte die Situation für sich ausnützen. Er ist nur ein Hinweis darauf, daß Betroffene - aus Angst abgelehnt zu werden - die Infektion nicht verschweigen oder andererseits alles mit sich anstellen lassen sollten. Auch viele Zahnärzte haben hier immer noch Informations- und Nachholbedarf.

"...und dann erfuhr ich mein Testergebnis..."

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